Automatisierte Sprache?


In der Schweiz erscheinen viele Publikationen in mehreren Sprachen. Dem Laien mögen Online-Übersetzungsdienste wie Google Translate oder DeepL als bequeme Möglichkeit erscheinen, Kosten zu sparen. Lesen Sie hier, warum wir davon nachdrücklich abraten.
 

«Bei der Korrektur von Texten in den anderen Sprachen (Französisch, Italienisch, Englisch) gehen wir davon aus, dass sie von muttersprachigen Profis getextet oder übersetzt wurden.» So steht es schwarz auf weiss auf der Rotstift-Website unter «Leistungen → Korrektorat».

Dieser Hinweis kommt nicht von ungefähr. Es geschieht immer wieder, dass (Neu-)Kunden uns mehrsprachige Aufträge anvertrauen, bei denen beim Kostenpunkt «Übersetzung» gespart wurde, sei es indem man die Texte inhouse übersetzen liess («X hat doch ein Welschlandjahr gemacht, sie kann das schon»), sei es indem man einen Online-Übersetzungsdienst damit fütterte. Solche Texte sind jedoch in der Regel so unbrauchbar, dass wir beim Rotstift gezwungen sind, die Aufträge zurückzuweisen 

An automatischen Übersetzungsdiensten wird schon lange getüftelt. Pionier in dieser Materie war Google Translate, 2006 lanciert, zunächst nur für die Sprachen Englisch und Arabisch. Seither wurde der Dienst laufend erweitert und verbessert, inzwischen besteht er für 103 Sprachen, übersetzt neben Geschriebenem auch Gesprochenes und hangelt sich nicht mehr von Wort zu Wort, sondern berücksichtigt bis zu einem gewissen Grad auch den Kontext. Die resultierenden Texte mögen zur Not als Verständnis- und Verständigungshilfe taugen, sie sind aber auch äusserst holprig, oft widersinnig und nicht selten von unfreiwilliger Komik.

Als bisher überzeugendstes automatisches Übersetzungsprogramm erschien 2017 DeepL auf der Bildfläche. Das Programm ist kontextorientiert und baut auf Abermillionen bestehender mehrsprachiger Texte auf, die mittels einer Suchmaschine im Internet gefunden und danach zusammengesetzt werden. Bei gängigen, formelhaften Textsorten, z.B. Allgemeinen Geschäftsbedingungen, Disclaimers oder Gebrauchsanweisungen, funktioniert das ganz ordentlich. Von künstlicher Intelligenz, die ohne menschliches Zutun zur Veröffentlichung taugliche Übersetzungen verfasst, ist allerdings auch DeepL noch meilenweit entfernt.

Wie so oft steckt auch hier der Teufel im Detail. Dazu ein Beispiel aus der Rotstift-Praxis: «Das Harz wird zur Verteibung negativer Energien verwendet», stand in einem deutschen Ausgangstext, was mit DeepL zu folgenden Übersetzungen führte:

  • The resin is used for the distribution of negative energies.
  • La résine est utilisée pour la distribution des énergies négatives.
  • La resina viene utilizzata per la distribuzione delle energie negative.

Es braucht nur wenig linguistische Detektivarbeit, um nachzuvollziehen, was hier passiert ist. Ein einziger fehlender Buchstabe im Deutschen reichte aus, um das Programm in allen drei Fremdsprachen auf die falsche Fährte zu locken und die Aussage in ihr Gegenteil zu verkehren. Denn das Programm entschied sich bei dem ihm unbekannten Wort für die Korrekturvariante «Buchstabe ersetzen» anstatt «Buchstabe einfügen».

Es gibt wohl kaum etwas Schlimmeres, als wenn die Botschaft das Gegenteil dessen bedeutet, was man eigentlich sagen möchte. Daher unser Tipp: Sparen Sie nicht am falschen Ort, weder beim Übersetzen Ihrer Texte … noch beim Korrigieren!

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